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January
2026
UI vs. UX: Was ist eigentlich der Unterschied?
Lesedauer: 4 min

Was ist UI, was ist UX?
Ein klarer Unterschied zwischen UI- und UX-Design lässt sich nicht ziehen, da UI immer ein Teilbereich von UX ist. Beide können nicht isoliert voneinander betrachtet oder separat existieren. Deshalb gibt es beim Vergleich von UI vs. UX kein Entweder-Oder, sondern vielmehr ein harmonisches Zusammenspiel der einzelnen UI-Elemente im Produktdesign. Bei der Entwicklung einer Website, Software oder App müssen sowohl UI als auch UX berücksichtigt werden.
Der Unterschied zwischen UI und UX lässt sich jedoch gut erklären, auch wenn beide Disziplinen eng miteinander verbunden sind:
User Experience Design betrachtet die gesamte Erfahrung eines Nutzers mit einem Produkt – vom ersten Kontakt, etwa bei der Suche im App-Store, über die Nutzung bis hin zum Support und Vertragsabschluss. Ziel ist es, den Weg des Nutzers so angenehm, effizient und reibungslos wie möglich zu gestalten. Dabei steht die Gesamterfahrung und Nutzerführung im Vordergrund: Welche Schritte sind nötig, um ein Problem zu lösen, und wie lassen sich diese optimal aufeinander abstimmen?
User Interface Design konzentriert sich auf die sichtbare und bedienbare Oberfläche – also das Layout, die Typografie, Farben, Icons, Buttons und Eingabefelder. UI sorgt dafür, dass alle Elemente klar, verständlich und konsistent dargestellt werden, damit Nutzer intuitiv wissen, was sie tun können und wie sie mit dem Produkt interagieren.
Ein gutes Beispiel ist eine Banking-App: Aus UX-Sicht geht es um den gesamten Ablauf – wie ein Neukunde sich registriert, seine Identität bestätigt und eine Überweisung tätigt. Hier werden die notwendigen Schritte geplant, die Reihenfolge optimiert und dem Nutzer Sicherheit vermittelt. UI kümmert sich hingegen um die Gestaltung des Überweisungsformulars: Wie sind die Eingabefelder angeordnet? Welche Schriftgrößen und Kontraste sorgen für gute Lesbarkeit? Wie werden Fehler wie eine falsch eingegebene IBAN klar angezeigt? Und wie hebt sich der wichtigste Button „Überweisen“ vom weniger wichtigen „Abbrechen“ ab?
Kurz gesagt: UX gestaltet den Weg, den der Nutzer geht, UI sorgt dafür, dass dieser Weg visuell ansprechend, verständlich und benutzerfreundlich ist. Nur das Zusammenspiel beider Disziplinen schafft ein positives Benutzererlebnis, das Nutzer zufriedenstellt und zur erfolgreichen Nutzung beiträgt.
Wo UI und UX oft verwechselt werden
In Vorstandsmeetings tauchen typische Fragen auf: “Brauchen wir jetzt noch UX? Wir haben doch schon ein neues Design.” Drei häufige Irrtümer aus der Beratungspraxis:
Irrtum 1: “UX ist nur ein anderes Wort für Design”
UX setzt bereits bei Produktstrategie, Funktionsumfang und Priorisierung an. Bevor ein einziger Pixel gestaltet wird, klärt UX-Arbeit: Welche Aufgaben müssen Nutzer erledigen können? Welche Features sind wirklich wichtig, welche sind Nice-to-have?
Beispiel: Ein Kundenportal mit schickem UI, aber 47 Menüpunkten in der Navigation. Die Oberfläche sieht modern aus. Aber Nutzer finden ihre Kernaufgaben (Rechnung einsehen, Vertrag ändern) nicht, weil sie in der Masse untergehen. Das Problem liegt nicht im Erscheinungsbild, sondern in der fehlenden UX-Vorarbeit.
Irrtum 2: “UI kann man am Ende schnell drüberziehen”
Wenn UI erst nach der Entwicklung kommt, entstehen teure Nacharbeiten. Plötzlich stellt sich heraus: Die technische Umsetzung erlaubt keine Zustände (aktiv/inaktiv). Fehlermeldungen sind fest codiert und lassen sich nicht anpassen. Die Abstände zwischen Elementen passen nicht zum Raster.
Beispiel: Ein Self-Service-Bereich in einem Energieportal. Die Funktionen stehen, aber die Gestaltung wurde nachgelagert “drübergelegt”. Ergebnis: Inkonsistente Buttons, unlesbare Formulare auf Mobile, keine klare visuelle Hierarchie. Die Software funktioniert technisch, ist aber kaum nutzbar. Inhalte sind nicht barrierefrei gestaltet, was die Nutzerführung erschwert und gegen Standards wie WCAG 2.1 verstößt. Eine Nachbesserung kostet ein Vielfaches der ursprünglichen Umsetzung.
Irrtum 3: “Mehr Features bedeuten automatisch bessere Nutzererfahrung”
Es ist ein häufiger Fehler zu glauben, dass ein Produkt umso besser ist, je mehr Funktionen es bietet. Tatsächlich können zu viele Features Nutzer überfordern und die Bedienung erschweren. Gute UX bedeutet oft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Funktionen klar und übersichtlich zu präsentieren. Klare Interaktionen helfen dabei, die Nutzerführung zu verbessern und Komplexität zu reduzieren.
Beispiel: Eine App mit unzähligen Einstellungsmöglichkeiten, die viele Nutzer gar nicht verstehen oder brauchen. Stattdessen führt eine klare Priorisierung und Vereinfachung zu mehr Zufriedenheit und besserer Nutzerbindung.
Warum UI und UX für den Geschäftserfolg unverzichtbar sind
Für Unternehmen sind UI und UX nicht nur Designbegriffe, sondern entscheidende Faktoren, die den Geschäftserfolg direkt beeinflussen. Sie wirken sich messbar auf zentrale Kennzahlen aus, wie zum Beispiel die Conversion Rate bei Bestellungen oder Anmeldungen, die Aktivierung neuer Nutzer oder auch die Reduzierung von Fehlern und Supportanfragen.
Wie eine durchdachte Nutzerführung den Unterschied macht
Eine gut gestaltete Nutzerführung sorgt dafür, dass Kundinnen und Kunden sich mühelos zurechtfinden und ihre Ziele schnell erreichen. Das bedeutet weniger Frust und mehr Zufriedenheit. Wenn Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise im Onboarding-Prozess nur die wirklich notwendigen Schritte durchlaufen und klare, verständliche Hinweise bekommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Angebot gerne und erfolgreich nutzen.
Warum die Gestaltung der Oberfläche zählt
Die visuelle Gestaltung der Benutzeroberfläche ist mehr als nur hübsch anzusehen. Sie schafft Orientierung und Vertrauen. Wenn Buttons gut sichtbar sind, Farben klare Signale senden und Fehlermeldungen verständlich angezeigt werden, fühlen sich Nutzerinnen und Nutzer sicher und gut begleitet. Das fördert nicht nur die Nutzung, sondern auch die Bindung an das Produkt.
Konkrete Zahlen sprechen für sich
Studien aus verschiedenen Branchen belegen eindrucksvoll, wie stark UI und UX den Geschäftserfolg beeinflussen. So zeigt eine Untersuchung des Baymard Institute, dass durchschnittlich rund 70 % der Online-Warenkörbe abgebrochen werden – häufig aufgrund schlechter Nutzerführung oder unübersichtlicher Benutzeroberflächen. Durch gezielte Optimierungen im Checkout-Prozess, etwa Vereinfachung der Formularfelder und klare visuelle Hinweise, konnten Unternehmen ihre Kaufabschlüsse um bis zu 35 % steigern. Darüber hinaus zeigen Erkenntnisse der Nielsen Norman Group , dass durch eine intuitive Gestaltung der Benutzeroberfläche und regelmäßige Usability-Tests die Anzahl der Supportanfragen um bis zu 50 % reduziert wird. Diese Effekte sind kein Zufall, sondern das Ergebnis sorgfältiger Analyse, Planung und Umsetzung von UI- und UX-Maßnahmen, die gezielt auf die Bedürfnisse der Nutzer eingehen und so ein optimales Nutzererlebnis schaffen.
Gemeinsam zum Erfolg
UI und UX gehören zusammen, sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Nur wenn beide Disziplinen Hand in Hand arbeiten, entsteht ein Produkt, das Nutzerinnen und Nutzer begeistert und Unternehmen voranbringt. Deshalb lohnt es sich, frühzeitig auf eine enge Verzahnung von Nutzerführung und Gestaltung zu setzen – für nachhaltigen Erfolg und zufriedene Kunden.
Wie UI und UX in Projekten Hand in Hand arbeiten
In der Praxis sind UI und UX keine Einzelkämpfer. Sie greifen immer ineinander und ergänzen sich perfekt. Hier zeigen wir, wie das in echten Projekten aussieht und was man dabei beachten sollte.
Onboarding-Prozess in einer HR-Software für den Mittelstand
Neue Nutzer steigen oft unsicher ein und springen schnell ab. Hier hilft UX, indem genau geprüft wird, welche Schritte wirklich nötig sind. Muss das Profil wirklich komplett ausgefüllt werden oder reicht erst mal das Wichtigste? Ein geführter Assistent begleitet die Nutzer durch die ersten Aufgaben. Besonders während des Onboardings werden daher die Interaktionen der Nutzer analysiert, um Barrieren zu erkennen und das Design gezielt an ihre Bedürfnisse anzupassen. An wichtigen Stellen gibt es kleine Erklärungen, warum bestimmte Daten gebraucht werden.
UI sorgt dafür, dass die Schritte klar sichtbar sind, etwa mit einer Fortschrittsanzeige von 1 bis 3. Die Buttons sind groß und gut zu finden, die Texte einfach und verständlich. Und natürlich funktioniert alles auch auf dem Smartphone, denn viele starten dort.
Checkout im Onlineshop oder bei der Ticketbuchung
Der Checkout ist oft ein Stolperstein. UX macht es einfach, indem zum Beispiel ein Gast-Checkout angeboten wird, damit niemand sich erst registrieren muss. Die Pflichtfelder werden auf das Nötigste reduziert. Versand- und Zahlungsoptionen werden so sortiert, dass sie für die Nutzer logisch sind, nicht nach internen Abläufen.
UI sorgt für große Buttons, die auf der Webseite und in der App gut zu klicken sind. Die Preise sind übersichtlich dargestellt, ohne versteckte Kosten. Zwischensummen, Versandkosten und Gesamtpreis sind klar getrennt. Fehler werden direkt am jeweiligen Feld angezeigt, damit Nutzer sofort wissen, was sie korrigieren müssen.
Dashboard für Controlling oder IoT-Monitoring
Hier steht die Frage im Vordergrund: Welche Kennzahlen sind wirklich wichtig? UX entscheidet, welche Daten auf der Startseite gezeigt werden und wie detailliert die Nutzer ins Detail gehen können. Es geht nicht darum, alle verfügbaren Daten zu zeigen, sondern die Fragen der Nutzer zu beantworten.
UI wählt passende Visualisierungen: Tabellen für genaue Zahlen, Diagramme für Trends. Die Farbgebung unterstützt die Interpretation, etwa Grün für alles in Ordnung, Gelb für Achtung und Rot für kritisch. Wichtig ist auch, dass das Dashboard auf großen Monitoren genauso gut lesbar ist wie auf kleinen Laptop-Bildschirmen.
Was ihr aus diesen Beispielen mitnehmen könnt
UI und UX sind ein Team. UX sorgt für den richtigen Ablauf und dass die Nutzerbedürfnisse im Mittelpunkt stehen. UI macht das Ganze sichtbar und bedienbar. Wer nur auf das Design schaut, verpasst die Chance, echte Nutzerprobleme zu lösen. Wer nur auf die Nutzerführung achtet, aber das Interface vernachlässigt, verliert Nutzer durch schlechte Bedienbarkeit.
Plant UX früh mit ein und arbeitet eng mit dem UI-Team zusammen. Nutzt Prototypen und Tests mit echten Nutzern, um zu sehen, ob alles rund läuft. So entstehen Produkte, die nicht nur gut aussehen, sondern auch Spaß machen und funktionieren.
Unser Tipp für euer nächstes Projekt
Legt von Anfang an fest, welche Ziele eure Nutzer haben. Sammelt Feedback direkt aus der Praxis. Vermeidet unnötige Schritte und komplizierte Oberflächen. Denkt daran: Es geht nicht darum, alles möglich zu machen, sondern das Richtige für eure Nutzer einfach und klar bereitzustellen.
So schafft ihr Nutzererlebnisse, die begeistern und eure Produkte erfolgreich machen.
Was Entscheider jetzt konkret angehen sollten
Die Gestaltung einer herausragenden Nutzererfahrung erfordert ein tiefes Verständnis der Nutzerbedürfnisse und eine enge Verzahnung mit den Unternehmensprozessen. Der Aufbau eines internen Teams für UX und UI kann dabei herausfordernd sein – insbesondere was Ressourcen, Know-how und Zeit betrifft. Externe Dienstleister können hier eine wertvolle Unterstützung bieten, um schnell und flexibel die richtigen Impulse zu setzen.
UX von Anfang an mitdenken
UX sollte integraler Bestandteil der Produktvision sein – nicht erst in der Umsetzungsphase. Vor einem Relaunch ist es wichtig, klar zu definieren, welche Nutzerprobleme gelöst werden sollen und an welchen Stellen der Nutzerfluss optimiert werden kann. Dabei helfen vorhandene Daten wie Support-Anfragen, Abbruchraten oder Nutzerinterviews, um ein fundiertes Bild zu erhalten.
Gemeinsam an einem Tisch sitzen
Fachbereiche, IT und UI/UX-Teams sollten eng zusammenarbeiten, um die Bedürfnisse der Nutzer genau zu verstehen. Entscheidend ist, herauszufinden, welche Aufgaben ein Neukunde in den ersten fünf Minuten wirklich erledigen möchte. Gespräche mit echten Nutzern sind dabei wertvoller als Vermutungen oder Annahmen.
Klare Verantwortlichkeiten schaffen
Es ist wichtig, eine Person zu benennen, die die Nutzerperspektive im Steuerungskreis vertritt. Ebenso notwendig sind klare Entscheidungsstrukturen, etwa wenn es um Abwägungen zwischen Corporate Design und Benutzerfreundlichkeit geht. Zudem sollte festgelegt werden, wer Budget und Befugnis für Usability-Tests vor der Entwicklung verantwortet.
Praktische Werkzeuge nutzen
Nutzerflüsse für zentrale Abläufe wie Onboarding, Checkout oder Servicefälle helfen, Prozesse zu analysieren und zu verbessern. Klickbare Prototypen ermöglichen es, mit echten Nutzern vor der Entwicklung zu testen. Ein Designsystem oder UI-Kit sorgt für eine konsistente visuelle Sprache über alle Kanäle hinweg – egal ob Webseite, App oder interne Tools.
Die nächsten Schritte im Quartal
- Den Flow mit den höchsten Abbruchraten identifizieren
- Fünf Nutzerinterviews durchführen oder in Auftrag geben
- Prüfen, ob ein Designsystem vorhanden ist und gepflegt wird
- Im nächsten Projektmeeting die Frage stellen: „Was soll der Nutzer mühelos schaffen können?“
Fazit
UX sorgt dafür, dass Nutzer ihr Ziel sicher und zufrieden erreichen. UI macht das Produkt richtig rund, damit sie sich gut zurechtfinden und der Oberfläche vertrauen können. Beides gehört zusammen.
Nur in UI zu investieren ohne ein durchdachtes UX-Konzept bringt selten die gewünschten Erfolge. Ein Produkt kann noch so schick aussehen – wenn der Weg zum Ziel nicht klar ist, springen die Nutzer ab. Umgekehrt merkt kaum jemand eine gute UX, wenn die Oberfläche unübersichtlich, inkonsequent oder lieblos gestaltet ist.
Wenn ihr das nächste Projekt startet, lohnt es sich, genau zu überlegen: Welche Fragen zur Nutzerführung sind noch offen? Welche Entscheidungen zur Gestaltung und Lesbarkeit müssen getroffen werden? Die Frage „Wie soll es aussehen?“ kommt erst, wenn klar ist, was der Nutzer mühelos schaffen soll.
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Lass uns gemeinsam etwas Großartiges schaffen.